Die Murmeln sind gefallen

Präsident Adama Barrow für weitere 5 Jahre gewählt

Bei der Präsidentenwahl in Gambia hat Amtsinhaber Adama Barrow einen deutlichen Sieg errungen und bleibt weitere fünf Jahre an der Macht. Wie die Wahlkommission am Sonntagabend mitteilte, kam er nach dem Ende der Auszählung auf rund 457.500 Stimmen. Mit deutlichem Abstand folgt demnach auf Platz zwei Ousainou Darboe mit gut 238.000 Stimmen.

 

Der kleinste Staat auf dem afrikanischen Festland zählt laut dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zu den 20 ärmsten Staaten der Welt. Etwa die Hälfte der gut zwei Millionen Einwohner lebt nach Angaben der Weltbank von weniger als 1,90 Dollar (1,68 Euro) am Tag.

 

Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1970 hat Gambia keinen demokratischen Machtwechsel erlebt. Die Abstimmung am 4. Dezember, bei der auch das Parlament gewählt wurde, gilt als Bewährungsprobe für den Übergangsprozess der erst vier Jahre alten Demokratie in dem kleinen westafrikanischen Staat.

Die Wahlbeteiligung lag bei mehr als 89 Prozent, ein Zeichen dafür, wie wichtig die Wahl für viele Menschen war.

 

Der Sieg des 56-jährigen Amtsinhabers wird von seinen Konkurrenten nicht anerkannt.

„Wir weisen die bisher verkündeten Ergebnisse zurück“ erklärte Barrows wichtigster Widersacher Darboe zusammen mit zwei weiteren der insgesamt sechs Kandidaten.

Darboe appelliere an alle im Land „ruhig und friedlich zu bleiben“ bis die Untersuchung der Wahlen abgeschlossen sei. Vertreter der Kandidaten hätten bei der Stimmauszählung „eine Reihe von Problemen“ festgestellt sagte Darboe.

 

Wegen der niedrigen Alphabetisierungsrate im Land gab es keine Stimmzettel. Stattdessen gaben die Wähler ihre Stimme ab, indem sie eine Murmel in die Urne für ihren Kandidaten warfen. Auf den Urnen klebte das Bild des jeweiligen Kandidaten.

Wahlhelfer markierten die Finger der Wahlberechtigten mit schwer löslicher Tinte, um mehrfache Stimmabgaben zu verhindern, so wie bei unserem Freund Modou (MoFire).

Lange Schlangen bildeten sich vor den Wahllokalen. Mitunter mussten die Wähler über 3 Stunden warten, bis sie ihre Murmeln in die Urne werfen durften.

 

Auf Barrow kommen nun eine Reihe großer Aufgaben zu. Es gilt die Verbrechen seines Vorgängers Jammeh, wie Folter, Ermordung und Verschleppung aufzuarbeiten, aber auch bessere Perspektiven für junge Menschen zu schaffen. Aufgrund mangelnder Jobaussichten bleibt bei ihnen der Wunsch, nach Nordafrika und Europa auszuwandern, groß.

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